Beate Thill: Vermittlerin zwischen den Welten

Der Inter­na­tio­nale Lite­ra­tur­preis - Haus der Kultu­ren der Welt ging im Juni 2014 an den haitianisch-kanadischen Autor Dany Lafe­rierre und seine Über­set­ze­rin Beate Thill für den aus dem Fran­zö­si­schen über­tra­ge­nen Roman “Das Rätsel der Rück­kehr” (Wunderhorn).

Vermitt­lung zwischen den Kultu­ren
Beate Thill über­setzt seit 30 Jahren Romane, zumeist aus Afrika und der Kari­bik. Zu Anfang ihrer Karriere arbei­tete sie als Redak­teu­rin und schrieb Sach­t­exte, um über die Dritte Welt zu berich­ten, bis ihr zuneh­mend Zwei­fel kamen, ob sich so etwas verän­dern ließe. Statt­des­sen nahm sie sich vor, „die Lite­ra­tur zugäng­lich zu machen, also zu über­set­zen.“ Und so viel­leicht tatsäch­lich Verständ­nis und Soli­da­ri­tät zu wecken. Als Über­set­ze­rin versteht sich Beate Thill als Vermitt­le­rin zwischen den Welten. Ihr Ziel ist ein Text, der dem Ursprungs­text entspricht, Wort für Wort, aber nicht wört­lich: „Dany Lafer­rière vertritt sogar die Ansicht, dass jede Über­set­zung einen Text anrei­chert, da er eine weitere kultu­relle Schicht aufträgt“, erzählte sie mir in einem Inter­view für die LiteraturNachrichten.

Lite­ra­tur­be­trieb offe­ner für Frem­des
Beate Thill hat unter ande­rem die Gesamt­werke der preis­ge­krön­ten alge­ri­schen Schrift­stel­le­rin Assia Djebar und Édouard Glis­sants aus Marti­ni­que über­setzt, den sie in den 80er Jahren für den deut­schen Buch­markt entdeckte. „Seit damals sind Lite­ra­tur­be­trieb und Publi­kum offe­ner für Frem­des gewor­den”, beob­ach­tet Beate Thill: „Mit dem Bewusst­sein der Globa­li­sie­rung und Präsenz ande­rer Kultu­ren hier wandelt sich das gerade. Auch der Inter­na­tio­nale Lite­ra­tur­preis für das Buch von Dany Lafer­rière ist ein Beweis dafür.“

Einfühl­same Über­set­zung
Mit ihrer Über­set­zung macht Thill laut Jury mit ‘Das Rätsel der Rück­kehr’ Dany Lafer­riè­res „persön­lichs­tes und zugleich gelun­gens­tes Buch“ für ein deut­sches Publi­kum zugäng­lich. Die Jury beschreibt es als „unan­ge­streng­tes Selbst­ge­spräch des fran­ko­pho­nen Autors ins Land seiner Geburt, auf den Spuren seines verstor­be­nen Vaters; ein poeti­scher Mono­log wie ein Saxophon-Solo, begin­nend im kana­di­schen Exil und endend im bitter­ar­men Haiti, eine lite­ra­ri­sche Iden­ti­täts­su­che, die den Leser auf selbst­ver­ständ­li­che Weise in den Text mitein­be­zieht.” Beate Thills einfühl­sa­mer Über­set­zung gelinge es, den Rhyth­mus des Origi­nals im Wech­sel von Lyrik, Prosa und essay­is­ti­scher Refle­xion tref­fend einzu­fan­gen. Zurück zum Blog