Dokumentarfilm über Smog ist China zu heiß

Chai Jing arbei­tete früher für den Staats­sen­der CCTV, für den sie auch über heikle Themen berich­tete. Als ihre Toch­ter vor einem Jahr  mit einem Tumor auf die Welt kam, der sofort operiert werden musste, kündigte sie, um sich um ihr Kind zu kümmern. In ihrem Doku­men­tar­film Under the Dome, der mit engli­schen Unter­ti­teln im Inter­net zu sehen ist, stellt sie die Geburt ihrer Toch­ter als Schlüs­sel­er­leb­nis dar. Plötz­lich fragte sich die 39jährige Jour­na­lis­tin, ob der Smog in China, den sie wegen seiner Allge­gen­wär­tig­keit kaum mehr wahr­ge­nom­men hatte, Ursa­che des Tumors sein könnte. Zumin­dest war er Grund dafür, dass sie ihr Klein­kind an fast der Hälfte der Tage im Jahr nicht auf die Straße ließ, weil die Luft­ver­schmut­zung zu hoch war. Und dabei schnitt ihr Wohn­ort noch gut ab im Vergleich zu ande­ren chine­si­schen Städ­ten, in denen im vergan­ge­nen Jahr zum Teil an mehr als 300 Tagen Jahr Smog herrschte.

Unbe­queme Wahr­hei­ten
Der Doku­men­tar­film berich­tet im Stil von Al Gores “An Incon­ve­ni­ent Truth” über den Smog, der auch nach offi­zi­el­len Anga­ben jedes Jahr vielen tausen­den Chine­sen das Leben kostet. Zahlen, Fakten, Berichte, präsen­tiert durch die Auto­rin in schlich­ten Jeans und weißer Bluse, wech­seln sich mit für sich spre­chen­den, zum Teil auch emotio­na­len Bildern ab. “Hast du schon einmal Sterne gese­hen?”, fragt Chai Jing eine Sechs­jäh­rige aus der Kohle­pro­vinz Shanxi. “Nein”, antwor­tet die Kleine. “Und Wolken?” - “Nein.” Ihre Inves­ti­ga­tio­nen zeigen, dass Umwelt­schutz nicht durch­ge­setzt und allzu oft mit dem Totschlag­ar­gu­ment, Arbeits­plätze müss­ten erhal­ten werden, abge­tan wird. Oder ein Experte berich­tet, dass die Ölin­dus­trie ihre Finger in dem Komi­tee im Spiel hat, das die Schad­stoff­werte für Benzin festlegt.

Bewusst im Inter­net veröf­fent­licht
Smog sei das Thema Nummer eins in China und treibe die Menschen um, schreibt die Süddeut­sche Zeitung: “Und von den Staats­me­dien fühlen sis sich nicht umfas­send infor­miert, oft auch betro­gen”. Chai Jing hat den Film, der 104 Minu­ten lang ist und rund 150.000 Euro gekos­tet hat, selbst finan­ziert und bewusst nicht im Fern­se­hen, sondern im Inter­net veröf­fent­licht.  Im Vorfeld wuss­ten die Behör­den aber von dem Film, Ex-Kollegen von CCTV halfen ihr und kurz nach der Veröf­fent­li­chung unter­stützte sie laut Süddeut­sche Zeitung noch die staat­li­che Südli­che Metro­po­len­zei­tung: “Die Regie­rung muss die Sorgen der Öffent­lich­keit endlich ernst nehmen.”

Späte Zensur
Offen­bar hatten die chine­si­schen Zenso­ren die Spreng­kraft des Films unter­schätzt. Am Diens­tag wies die Zensur­be­hörde Webpor­tale und Soziale Medien an, nicht mehr über den Film und seine Mache­rin zu berich­ten. “Um nicht abzu­len­ken von den wich­ti­gen Themen des Volks­kon­gres­sen”, klingt nach einem schlech­ten Vorwand. “Sämt­li­che Äuße­run­gen, die geeig­net sind, Zwei­fel an der Regie­rung zu säen oder diese zu atta­ckie­ren, müssen blockiert und gelöscht werden”, schon ehrli­cher. Diese Teile der Anwei­sun­gen veröf­fent­lichte das Portal China Digi­tal Times ebenso wie den Zusatz: “Diese Anwei­sun­gen müssen geheim blei­ben.” Was ja wohl alles sagt. Und zeigt, dass das schnelle Medium Inter­net den in solchen Fällen großen Vorteil hat, einfach nicht kontrol­lier­bar zu sein. Zurück zum Blog