Übersetzen ist…

…wenn das Unmög­li­che Normal­fall ist
Eine gute Über­set­zung ist fast nie wört­lich, kennt den kultu­rel­len Kontext des Ausgangs­tex­tes und den des Lesers. Irgendwo zwischen Origi­nal, zwei Spra­chen, zwei Kultu­ren und dem Ziel­pu­bli­kums sucht also die Über­set­ze­rin nach der rich­ti­gen Formu­lie­rung. Der russi­sche Dich­ter und Autor Jewgeni Jewtu­schenko beschrieb den Spagat einmal so: “Über­set­zung ist wie eine Frau. Wenn sie schön ist, ist sie nicht treu. Und wenn sie treu ist, ist sie ganz sicher nicht schön.” Eine rich­tige Formu­lie­rung gibt es dabei nicht, immer nur eine Annä­he­rung: “Über­set­zen ist eine der weni­gen mensch­li­chen Tätig­kei­ten, bei denen das Unmög­li­che der Normal­fall ist”, formu­liert es der spani­sche Über­set­zer Mariano Antolín Rato.

… wenn man mit Worten fischt
Die ameri­ka­ni­sche Kinderbuch- und Roman­au­to­rin Ursula K. Le Guin beschreibt den Über­set­zungs­vor­gang etwas humor­vol­ler, aber nicht weni­ger voller Stau­nen: “Über­set­zen ist eine voll­kom­men myste­riöse Sache. Zuneh­mend habe ich das Gefühl, dass die Kunst des Schrei­bens selbst Über­set­zung ist oder dem Über­set­zen mehr ähnelt als irgend etwas Ande­rem. Was ist denn der andere Text, das Origi­nal? Darauf habe ich keine Antwort. Viel­leicht ist es eine Quelle, ein tiefes Meer, in dem die Ideen schwim­men und man fängt sie mit Netzen aus Worten und zieht sie glän­zend ins Boot… wo sie - in dieser Meta­pher - ster­ben, in Dosen verpackt und im Sand­wich geges­sen werden.” Wenn ich das rich­tig über­setzt (und verstan­den) habe, ist mein Job also, glän­zende Ideen in mehr oder minder unzu­läng­li­che Worte und Sätze zu verpa­cken, damit sie sich verkau­fen und verdauen lassen.

… wenn man es trotz­dem tut
Warum über­setzt man trotz­dem tapfer weiter?  Weil es einer der inter­es­san­tes­ten Berufe der Welt ist, trotz der Schwie­rig­kei­ten einen sprach- und inhalts­na­hen und trotz­dem lesba­ren, im Ideal­fall schö­nen Text zu produ­zie­ren, wie Günter Grass es sinn­ge­mäß formu­liert hat: “Über­set­zen ist das, was alles transfor­miert, damit sich nichts verän­dert.” Ob bei Fach­ar­ti­keln oder sprach­lich anspruchs­vol­le­ren Texten, immer wieder muss und darf sich der Über­set­zer oder die Über­set­ze­rin in neue Themen einar­bei­ten: “Im guten Fall ist Über­set­zen eine berei­chernde, intel­lek­tu­elle Erfah­rung, nach der man ein Ande­rer ist” (Daniel Nogueira, Über­set­zer ins Portu­gie­si­sche). Zurück zum Blog