Archiv für den Autor: CTortiAdmin

Blog oder Bauchladen?

Ein Blog übers Über­set­zen, Auto­bio­gra­fie schrei­ben, den Jour­na­lis­mus und gute CT_Passbild_finBücher aus aller Welt - ist das nicht eher ein Bauch­la­den? Ja und auch wieder nein, denn für mich sind diese Themen eng mitein­an­der verknüpft. Alle sind vermit­telnde, im weite­ren Sinne über­set­zende Tätig­kei­ten oder Phäno­mene. Sie vermit­teln zwischen Spra­chen, Kultu­ren, den Gene­ra­tio­nen, unter­schied­li­chen Erfah­rungs­wel­ten, zwischen Vergan­gen­heit und Gegen­wart, Nicht­wis­sen und Wissen. Also: Viel Spaß beim Lesen!

10.10. Buch­tipp: Adres­sat unbe­kannt
01.10. Lite­ra­ri­scher Welt­emp­fang: 35 Jahre litprom
11.09. Buch­tipp: Plötz­lich Enke­lin eines Massen­mör­ders
07.05. Trink­geld macht sexy
01.03 Über­set­zen ist…
15.02 Buch­tipp: Coole Eltern leben länger

 

Buchtipp: Adressat unbekannt

Deutsch­land um das Jahr 1933: Ange­legt als Brief­wech­sel zwischen einem Deut­schen und einem ameri­ka­ni­schen Juden um die Zeit von Hitlers Macht­er­grei­fung ist „Adres­sat unbe­kannt“ die drama­ti­sche Geschichte einer Freund­schaft, die von der poli­ti­schen Entwick­lung auf die Probe gestellt wird. Der Deut­sche ein Oppor­tu­nist und Nutz­nie­ßer des Systems, der Jude sein alter Freund, dessen Schwes­ter sich in Berlin aufhält und um deren Schutz er den Deut­schen bittet - das ist die Konstel­la­tion des sich schnell zuspit­zen­den Dramas dieses hell­sich­ti­gen Textes, der bereits 1938 im New Yorker „Story Maga­zine“ erst­mals veröf­fent­licht wurde.
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Briefroman: Adressat unbekannt

Deutsch­land um das Jahr 1933: Ange­legt als Brief­wech­sel zwischen einem Deut­schen und einem ameri­ka­ni­schen Juden um die Zeit von Hitlers Macht­er­grei­fung ist „Adres­sat unbe­kannt“ die drama­ti­sche Geschichte einer Freund­schaft, die von der poli­ti­schen Entwick­lung auf die Probe gestellt wird. Der Deut­sche ein Oppor­tu­nist und Nutz­nie­ßer des Systems, der Jude sein alter Freund, dessen Schwes­ter sich in Berlin aufhält und um deren Schutz er den Deut­schen bittet - das ist die Konstel­la­tion des sich schnell zuspit­zen­den Dramas dieses hell­sich­ti­gen Textes, der bereits 1938 im New Yorker „Story Maga­zine“ erst­mals veröf­fent­licht wurde.

Zwischen Oppor­tu­nis­mus und Über­zeu­gung
Durch die Kunst­form des Brief­ro­mans kann sich die Geschichte in rasan­tem Tempo fort­be­we­gen und davon erzäh­len, wie sich die Stim­mung und Geis­tes­hal­tung in Deutsch­land in dieser Zeit verän­derte. Mit großem Gespür für die Absur­di­tät und die Verlo­gen­heit des Systems und seines Gedan­ken­guts zeich­net die ameri­ka­ni­sche Auto­rin Kathe­rin Kress­mann Taylor den Deut­schen Martin, der sich zuneh­mend damit iden­ti­fi­ziert, obwohl er keines­wegs zu denen gehört, die nichts zu verlie­ren haben.

„Nie mehr Drama auf so wenig Seiten“
Der knapp 60 Seiten lange Text wurde Ende der 1990er Jahre wieder­ent­deckt und danach auch zu einem Best­sel­ler in Deutsch­land und Frank­reich. Der kurze Roman ist auch heute erschre­ckend aktu­ell. Ihm wird einhel­lig ein meis­ter­haf­ter Span­nungs­auf­bau ohne ein Wort zu viel oder zu wenig attes­tiert. „Ich habe nie auf weni­ger Seiten ein größe­res Drama gele­sen. Diese Geschichte ist meis­ter­haft“, schreibt Elke Heiden­reich im Nach­wort der deut­schen Ausgabe.

Mit den Waffen des Systems
Erin­nert hat mich das über­ra­schende Ende auch an John Boynes viele Jahr­zehnte später geschrie­be­nen Roman „Der Junge im gestreif­ten Pyjama“, in dem sich der Sohn eines KZ-Kommandanten heim­lich mit einem Jungen aus dem Lager befreun­det und voller kind­li­cher Naivi­tät und Spaß am Verklei­dungs­spiel eines Tages seinem Freund durch den Zaun ins Lager folgt, um nie wieder daraus aufzu­tau­chen. Einzig schlägt hier das Schick­sal ironisch zu – in „Adres­sat unbe­kannt“ rächt sich der jüdi­sche Freund aktiv und bewusst und führt das System inner­halb seiner eige­nen Spiel­re­geln ad absur­dum. Kress­mann Taylor, Adres­sat unbe­kannt, Hoff­mann und Campe, 8. Auflage 2014
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Großvater hätte mich erschossen

Vom Cover blickt dem Leser eine attrak­tive, selbst­be­wusste Frau entge­gen, die Barack Obamas Toch­ter sein könnte. Der Vater Afri­ka­ner, die Mutter die Toch­ter von Amon Göth, dem KZ-Kommandanten, der durch Steven Spiel­bergs Film „Schind­lers Liste“ welt­weit bekannt wurde: Als Jenni­fer Teege mit 38 Jahren per Zufall erfuhr, dass sie die Enke­lin eines Psycho­pa­ten und Massen­mör­ders war, stürzte sie das in eine tiefe Krise, die sie nur durch eine Reise in die Vergan­gen­heit über­win­den konnte. In „Amon. Mein Groß­va­ter hätte mich erschos­sen“ erzählt sie ihre Geschichte.

Die Iden­ti­täts­krise
Eine Frau, Mutter von zwei Söhnen, als Kind adop­tiert, ohne Kontakt zu ihrer echten Mutter, erfährt mit Mitte 30, dass sie die Enkel­toch­ter eines der grau­sams­ten KZ-Kommandanten der Nazi­zeit ist. Sie bricht zusam­men und begibt sich auf die Suche nach ihrer Fami­li­en­ge­schichte. Abwech­selnd in Ich-Form und Abschnit­ten in der drit­ten Person geschrie­ben, entsteht das Bild einer Frau, die um ihre Iden­ti­tät, ihre Fami­li­en­zu­ge­hö­rig­keit, das Verhält­nis zu ihren jüdi­schen Freun­den ringt.

Die Enkel­ge­ne­ra­tion
Jenni­fer Teege stellt sich nicht nur die Frage, was dieser Groß­va­ter für sie und ihre Iden­ti­tät bedeu­tet, sondern beschäf­tigt sich gene­rell mit der Rolle der Enkel­ge­ne­ra­tion, die im Gegen­satz zur Gene­ra­tion ihrer Eltern nicht mit dem Verschwei­gen aufge­wach­sen sind, sondern einem schein­ba­ren Wissen, das aber oft vor der konkre­ten eige­nen Fami­li­en­ge­schichte halt macht.

Der Groß­va­ter
Die Recher­cher­ei­sen an die Orte ihrer Fami­li­en­ge­schichte führen Teege unter ande­rem ins Konzen­tra­ti­ons­la­ger in einem Vorort von Krakau, wo ihr Groß­va­ter als „Schläch­ter von Plas­zow“ bekannt war. Seine Darstel­lung im Film „Schind­lers Liste“, in dem er von seinem Balkon aus will­kür­lich mit dem Gewehr auf Häft­linge schießt, soll der histo­ri­schen Wahr­heit entsprechen.

Die Groß­mut­ter
Die Villa stand direkt neben dem Lager. Unmög­lich auch, dass ihre Groß­mut­ter, die damals dort als Göths Geliebte mit ihm dort wohnte, nicht wusste, was vor sich ging. Umso schmerz­haf­ter ringt Teege daher mit ihrer Erin­ne­rung an die einzige liebe­volle Bezie­hung, an die sie sich in ihrer frühen Kind­heit erin­nert, die zu ihrer Groß­mut­ter Ruth Irene, die sich noch nach Amon Göths Verur­tei­lung und Hinrich­tung per Amt seinen Namen geben ließ. Unvor­stell­bar, dass die Groß­mut­ter, an die sie sich erin­nert, in einem Inter­view noch im Alter Sätze sagte, wie „Mein Göth war König. Ich war Köni­gin. Wem hätte das nicht gefallen?“.

Befrei­ende Ausein­an­der­set­zung
Jenni­fer Teeges Geschichte steht, wenn auch in extre­mer Form, stell­ver­tre­tend für viele ihrer Gene­ra­tion, die nicht wissen, was ihre Groß­el­tern während des Natio­nal­so­zia­lis­mus wirk­lich erlebt und gemacht haben, sei es als Opfer, Täter oder Mitläu­fer. Ihre Ausein­an­der­set­zung mit dem Thema hat etwas Befrei­en­des. Veröf­fent­licht wurde Jenni­fer Teege, Nikola Sell­mair, „Amon. Mein Groß­va­ter hätte mich erschos­sen“ 2014 bei rororo.
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Literarischer Weltempfang - 35 Jahre Übersetzungsförderung durch Litprom

Lite­ra­tur aus ande­ren Teilen der Welt bringt diese uns näher, verschafft Einbli­cke, die Zeitungs­ar­ti­kel und Sach­bü­cher allein nicht brin­gen können. Das gilt für Lite­ra­tur aus Europa oder den USA genauso wie für viele Lite­ra­tu­ren, die in den entwi­ckeln­den Teilen der Welt entste­hen. Viele der Romane aus diesen Regio­nen wären wohl nicht in deut­scher Spra­che erhält­lich, wenn es Litprom nicht gäbe. Die Gesell­schaft zur Förde­rung der Lite­ra­tu­ren aus Afrika, Asien und Latein­ame­rika und der Arabi­schen Welt enga­giert sich seit 35 Jahren für die Entde­ckung und Förde­rung von Lite­ra­tur aus diesen Gebie­ten für den deut­schen Buchmarkt.

Konti­nu­ier­li­che Über­set­zungs­för­de­rung
Die Herbst-Buchmesse in Frank­furt steht vor der Tür, gute Gele­gen­heit für Litprom, 35 Jahre erfolg­rei­che Arbeit zu feiern. Die Gesell­schaft zur Förde­rung der Lite­ra­tu­ren aus Asien, Afrika, Latein­ame­rika und der Arabi­schen Welt gibt Über­set­zungs­emp­feh­lun­gen an Verlage und unter­stützt finan­zi­ell die Über­set­zung von rund 30 Titeln pro Jahr. Auto­ren­le­sun­gen und Veran­stal­tun­gen werden orga­ni­siert, kleine Verlage aus Afrika, Asien, Latein­ame­rika zur Buch­messe einge­la­den. Außer­dem vergibt Litprom den LiBe­ra­tur­preis: Er ging in diesem Jahr an die chinesisch-malaisisch stäm­mige Kana­die­rin Made­leine Thien für ihren Roman „Flüch­tige Seelen“. Auf der Buch­messe orga­ni­siert die Gesell­schaft “den Welt­emp­fang” mit Diskus­si­ons­ver­an­stal­tun­gen und Lesungen.

Leser, Handel und Verlage infor­mie­ren
Wer sich für Lite­ra­tu­ren aus aller Welt inter­es­siert, für den gibt Litprom die einzige deutsch­spra­chige Zeit­schrift zum Thema heraus: In den „Lite­ra­tur­Nach­rich­ten Asien, Afrika, Latein­ame­rika“ sind Porträts, Gesprä­che, Rezen­sio­nen und lite­ra­ri­sche Texte zu lesen. Ob für Leser oder den Buch­han­del: Litprom weist den Weg durch den Veröf­fent­li­chungs­d­schun­gel: Mit der „Besten­liste Welt­emp­fän­ger“ empfiehlt eine Jury aus neun Lite­ra­tur­kri­ti­kern und Auto­ren die jeweils sieben besten über­setz­ten Bücher des Quartals.

Der Andere Lite­ra­tur­club
Eine Möglich­keit, die Arbeit der Gesell­schaft zu unter­stüt­zen, aktu­elle Lite­ra­tur zu lesen und infor­miert zu blei­ben, ist eine Mitglied­schaft im Ande­ren Lite­ra­tur­club: Vier Bücher im Jahr und die Zeit­schrift Lite­ra­tur­Nach­rich­ten werden zuge­schickt.
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Buchtipp: Plötzlich Enkelin eines Massenmörders

Vom Buch­co­ver blickt dem Leser eine attrak­tive, selbst­be­wusste Frau entge­gen, die Barack Obamas Toch­ter sein könnte. Der Vater Afri­ka­ner, die Mutter die Toch­ter von Amon Göth, dem KZ-Kommandanten, der durch Steven Spiel­bergs Film „Schind­lers Liste“ welt­weit bekannt wurde: Als Jenni­fer Teege mit 38 Jahren per Zufall erfuhr, dass sie die Enke­lin eines Psycho­pa­ten und Massen­mör­ders war, stürzte sie das in eine tiefe Krise, die sie nur durch eine Reise in die Vergan­gen­heit über­win­den konnte. In „Amon. Mein Groß­va­ter hätte mich erschos­sen“ erzählt sie ihre Geschichte.
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Trinkgeld macht sexy

Die Kinder verän­dern sich“, sagt die erfah­rene Horter­zie­he­rin auf dem Schul­hof zu mir und blickt etwas wehmü­tig auf die lebhaf­ten Erst-und Zweit­kläss­ler, die etwas entfernt vor sich hin toben. „Sie drehen sich immer stär­ker nur um sich. Jeder will das Alpha-Tier sein.“ Da fällt es schwer, an die Gemein­schaft zu denken oder daran, wie sich der Andere fühlt. Ein gesell­schaft­li­cher Trend, meint sie, der hier zu spüren ist.

Soli­da­ri­tät gefragt
Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, dass ich solche Gedan­ken auch manch­mal habe. Viel­leicht ist es auch das Alter, das die nost­al­gi­sche gefärbte Sehn­sucht nach Soli­da­ri­tät aufkom­men lässt, schließ­lich werde ich sie demnächst oder zumin­dest in 20 oder so Jahren brau­chen. Und was, wenn dann niemand da ist, der sich um die kümmert, die nicht mehr höher, schnel­ler, weiter, schö­ner können? Und wie bringt man Kindern über­haupt Empa­thie nahe, das sich Einfüh­len in den Ande­ren, das ihr Verhal­ten lenken könnte?

Zuhö­ren, um zu verste­hen
Bücher über andere Zeiten oder das Leben in ande­ren Kultu­ren oder sozial schwä­che­ren Schich­ten lesen, ist viel­leicht eine Möglich­keit. In ihrem Buch „Geret­tete Worte: Reise zu Chinas verlo­re­ner Gene­ra­tion“ schreibt die chine­si­sche Jour­na­lis­ten Xinran die Lebens­ge­schich­ten ganz norma­ler Menschen auf, die die Kultur­re­vo­lu­tion und den Aufbau des moder­nen China miter­lebt und mitge­tra­gen haben. Entstan­den ist ein faszi­nie­ren­des Porträt einer Gene­ra­tion, für die das Schwei­gen normal und über­le­bens­wich­tig war. Die Gemein­schaft war alles, das Indi­vi­duum nichts, aus unse­rer Sicht ein Extrem, das wir uns kaum vorstel­len können. Bei der Recher­che für das Projekt hatte die Auto­rin chine­si­sche Studen­ten und Studen­tin­nen einge­bun­den. Während die Groß­el­tern­ge­ne­ra­tion häufig der Ansicht war, niemand, schon gar nicht die Jungen, inter­es­sier­ten sich für ihre Geschichte, zeigte die Bewer­tung dieser Erfah­rung durch die Studie­ren­den etwas ganz Ande­res. Sie waren über­rascht von vielen der in den offi­zi­el­len Geschichts­bü­chern totge­schwie­ge­nen Fakten und Lebens­er­fah­run­gen und hatten das Gefühl, Einstel­lun­gen und Hand­lun­gen ihrer Eltern und Groß­el­tern viel besser einord­nen zu können.

Kaufen um des Verkäu­fers willen
In diesem Sinne ist Xinrans Ziel, Verständ­nis für die Groß­el­tern­ge­ne­ra­tion zu erzeu­gen, aufge­gan­gen ist. Durch das Erzäh­len der Geschich­ten werden Verste­hen und Empa­thie erst über­haupt möglich. In diesem Buch weist die Auto­rin auch auf den Fakt hin, dass in China – wie in sehr vielen Ländern – immer mehr Menschen in städ­ti­schen Ballungs­räu­men leben. Und sie verweist auf einen in China übers Inter­net veröf­fent­lich­ten „Knigge für Städ­ter“. Aus der Liste der Empfeh­lun­gen blieb mir Folgen­des in Erin­ne­rung: „Wenn jemand am Abend an der Straße sitzt und nur noch sehr wenig zu verkau­fen hat, kaufen Sie es, denn dann kann er oder sie nach Hause gehen.“ Das ist nichts Ande­res als sich zu über­le­gen, was das, was er tut, oder das, was ich tue, für den Ande­ren bedeu­tet. Bett­lern soll man laut dieses Knigge über­haupt, wenn möglich, etwas geben. Denn, wer – so die Frage - steht schon an der stau­bi­gen Stra­ßen­kreu­zung und versucht etwas Geld rein­zu­be­kom­men, wenn er eine Alter­na­tive hätte?

Nach­hilfe in Empa­thie
Konkrete Geschich­ten sind grund­sätz­lich wirkungs­voll, um unse­rer Empa­thie auf die Sprünge zu helfen. Das zeigt sich zum Beispiel in dem groß­ar­ti­gen Werbe­spot einer Firma für Kommu­ni­ka­tion, in dem ein alter Mann mit einem Schild zu sehen ist, auf dem steht: „Bin blind, bitte helfen Sie.“ Viele Leute eilen an ihm vorbei, bis eine Frau einen Stift nimmt und seinen Text durch einen ande­ren ersetzt. Erstaunt bemerkt der Bett­ler, wie viel Geld plötz­lich in seinen Hut klim­pert. Die Kamera schwenkt auf das Schild: „Es ist ein wunder­schö­ner Tag, aber ich kann ihn nicht sehen.“

Über einer Tasse in einem Café bei uns im Vier­tel hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Trink­geld macht sexy“. Und tatsäch­lich habe ich mir vor kurzem in der S-Bahn den Mann näher ange­schaut, der als einzi­ger den Sinti-Musikanten etwas Geld in den Becher fallen ließ. Zurück zum Blog

Gestern gleich drei neue Worte gelernt

Engli­sche Worte lerne ich ja jede Minute, jede Stunde neu dazu, aber gestern war so ein Tag, an dem ich im Deut­schen dachte, okay, ja, schon mal gehört, aber was ist das eigent­lich genau? Und das gleich zwei Mal und das kolum­nis­ti­sche Mani­fest war mir als Begriff auch neu… (-:

rabu­lis­tisch – Rabu­lis­tik (von latei­nisch rabere „toben“ bzw. rabula „markt­schreie­ri­scher Advo­kat“) ist laut Wiki­pe­dia „ein abwer­ten­der Begriff für rheto­ri­sche „Spitz­fin­dig­kei­ten“ oder „Wort­klau­be­rei“. Als Rabu­list wird laut Duden jemand bezeich­net, der in „spitz­fin­di­ger, klein­li­cher, recht­ha­be­ri­scher Weise argu­men­tiert und dabei oft den wahren Sach­ver­halt verdreht“. Die Rabu­lis­tik dient dazu, in einer Diskus­sion unab­hän­gig von der Rich­tig­keit der eige­nen Posi­tion recht zu behal­ten.“ Kann man eigent­lich gut gebrau­chen, das Wort, und hübsch ist es auch…

Bionik - wird laut Wiki­pe­dia auch als Biomi­mi­kry, Biomime­tik oder Biomi­mese bezeich­net: „Bionik beschäf­tigt sich mit dem Über­tra­gen von Phäno­me­nen der Natur auf die Tech­nik. Das älteste Beispiel dafür ist Leonardo da Vinci Idee, den Vogel­flug auf Flug­ma­schi­nen zu über­tra­gen. Moder­ner ist der von Klet­ten inspi­rierte Klett­ver­schluss. Der Bionik liegt die Annahme zugrunde, dass die belebte Natur durch evolu­tio­näre Prozesse opti­mierte Struk­tu­ren und Prozesse entwi­ckelt, von denen der Mensch lernen kann.“

Das kolum­nis­ti­sche Mani­fest – Wort­spiel des „SZ“-Kolumnisten Axel Hacke für den Titel seines im März im Verlag Antje Kunst­mann erschie­ne­nen Buches Das kolum­nis­ti­sche Mani­fest. Das Beste aus 1001 Kolum­nen. Hacke schreibt seit Jahren im SZ-Magazin über Erzie­hungs­fra­gen, Unter­hal­tun­gen mit seinem Kühl­schrank und andere lustige Dinge des Alltags. Übers Kolumne-Schreiben sagte er dem Deutsch­land­funk: „Ein Kolumne muss wie ein guter Song sein. Nach dem Lesen soll man ein Gefühl von Leich­tig­keit haben, das Gefühl, der Schwere der Welt was abge­trotzt zu haben.“
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Was ist eigentlich.….?

Verspro­chen ist verspro­chen und wird auch nicht gebro­chen.“ Upps und ich habe mir verspro­chen, wirk­lich jede Woche etwas in den Blog zu schrei­ben, zumin­dest am Anfang. Also gut. Ich habe gestern gleich drei neue deut­sche Worte gelernt: Bionik (was ist das eigent­lich genau?), Kolum­nis­ti­sches Mani­fest (wer schreibt denn so etwas?) und rabu­lis­tisch (das muss ich mir unbe­dingt merken).
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Dokumentarfilm über Smog ist China zu heiß

Chai Jing arbei­tete früher für den Staats­sen­der CCTV, für den sie auch über heikle Themen berich­tete. Als ihre Toch­ter vor einem Jahr  mit einem Tumor auf die Welt kam, der sofort operiert werden musste, kündigte sie, um sich um ihr Kind zu kümmern. In ihrem Doku­men­tar­film Under the Dome, der mit engli­schen Unter­ti­teln im Inter­net zu sehen ist, stellt sie die Geburt ihrer Toch­ter als Schlüs­sel­er­leb­nis dar. Plötz­lich fragte sich die 39jährige Jour­na­lis­tin, ob der Smog in China, den sie wegen seiner Allge­gen­wär­tig­keit kaum mehr wahr­ge­nom­men hatte, Ursa­che des Tumors sein könnte. Zumin­dest war er Grund dafür, dass sie ihr Klein­kind an fast der Hälfte der Tage im Jahr nicht auf die Straße ließ, weil die Luft­ver­schmut­zung zu hoch war. Und dabei schnitt ihr Wohn­ort noch gut ab im Vergleich zu ande­ren chine­si­schen Städ­ten, in denen im vergan­ge­nen Jahr zum Teil an mehr als 300 Tagen Jahr Smog herrschte.

Unbe­queme Wahr­hei­ten
Der Doku­men­tar­film berich­tet im Stil von Al Gores “An Incon­ve­ni­ent Truth” über den Smog, der auch nach offi­zi­el­len Anga­ben jedes Jahr vielen tausen­den Chine­sen das Leben kostet. Zahlen, Fakten, Berichte, präsen­tiert durch die Auto­rin in schlich­ten Jeans und weißer Bluse, wech­seln sich mit für sich spre­chen­den, zum Teil auch emotio­na­len Bildern ab. “Hast du schon einmal Sterne gese­hen?”, fragt Chai Jing eine Sechs­jäh­rige aus der Kohle­pro­vinz Shanxi. “Nein”, antwor­tet die Kleine. “Und Wolken?” - “Nein.” Ihre Inves­ti­ga­tio­nen zeigen, dass Umwelt­schutz nicht durch­ge­setzt und allzu oft mit dem Totschlag­ar­gu­ment, Arbeits­plätze müss­ten erhal­ten werden, abge­tan wird. Oder ein Experte berich­tet, dass die Ölin­dus­trie ihre Finger in dem Komi­tee im Spiel hat, das die Schad­stoff­werte für Benzin festlegt.

Bewusst im Inter­net veröf­fent­licht
Smog sei das Thema Nummer eins in China und treibe die Menschen um, schreibt die Süddeut­sche Zeitung: “Und von den Staats­me­dien fühlen sis sich nicht umfas­send infor­miert, oft auch betro­gen”. Chai Jing hat den Film, der 104 Minu­ten lang ist und rund 150.000 Euro gekos­tet hat, selbst finan­ziert und bewusst nicht im Fern­se­hen, sondern im Inter­net veröf­fent­licht.  Im Vorfeld wuss­ten die Behör­den aber von dem Film, Ex-Kollegen von CCTV halfen ihr und kurz nach der Veröf­fent­li­chung unter­stützte sie laut Süddeut­sche Zeitung noch die staat­li­che Südli­che Metro­po­len­zei­tung: “Die Regie­rung muss die Sorgen der Öffent­lich­keit endlich ernst nehmen.”

Späte Zensur
Offen­bar hatten die chine­si­schen Zenso­ren die Spreng­kraft des Films unter­schätzt. Am Diens­tag wies die Zensur­be­hörde Webpor­tale und Soziale Medien an, nicht mehr über den Film und seine Mache­rin zu berich­ten. “Um nicht abzu­len­ken von den wich­ti­gen Themen des Volks­kon­gres­sen”, klingt nach einem schlech­ten Vorwand. “Sämt­li­che Äuße­run­gen, die geeig­net sind, Zwei­fel an der Regie­rung zu säen oder diese zu atta­ckie­ren, müssen blockiert und gelöscht werden”, schon ehrli­cher. Diese Teile der Anwei­sun­gen veröf­fent­lichte das Portal China Digi­tal Times ebenso wie den Zusatz: “Diese Anwei­sun­gen müssen geheim blei­ben.” Was ja wohl alles sagt. Und zeigt, dass das schnelle Medium Inter­net den in solchen Fällen großen Vorteil hat, einfach nicht kontrol­lier­bar zu sein. Zurück zum Blog